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Von Indien bis Israel und Berlin: Von Haus aus vegan

Vegane Ernährung ist in jüngster Zeit sprichwörtlich in aller Munde und gerade in Europa auf dem Vormarsch. Wir haben uns auf Spurensuche begeben: In einigen Ländern, gerade auch außerhalb Europas, hat vegane Kost traditionell einen hohen Stellenwert. Auch Gourmet setzt zunehmend auf diesen Trend, und baut sein Angebot aus. 

Veganer essen ausschließlich pflanzliche Kost, verzichten also gänzlich auf Fleisch, Fisch oder tierische Produkte wie Milch, Eier oder Honig – vereinfacht gesagt ist es also eine ausgeprägtere Variante des Vegetariers. Was für viele Menschen hierzulande kaum vorstellbar scheint, ist in einigen anderen Ländern üblich und weit verbreitet. 

Indien hat die längste vegane Tradition

Weltweit uneinholbar in Front liegt hier traditionell Indien mit einem Vegetarieranteil von 40 Prozent, wovon sich viele ausschließlich vegan ernähren. Mit einem durchschnittlichen pro Kopf Verbrauch von gerade drei Kilogramm Fleisch im Jahr hat das Land die niedrigste Verbrauchsrate der Welt. Im Vergleich dazu: Der durchschnittliche Österreicher isst als europäischer Spitzenreiter über 70 Kilo Fleisch pro Jahr.

In Indien hat der Fleischverzicht vor allem zwei Gründe: Mit über 80 Prozent gehört der Großteil der Bevölkerung dem Hinduismus an. Das heißt viele Inder glauben an Karma, Reinkarnation und Gewaltverzicht - auch im Hinblick auf Tiere. Der zweite zentrale Grund: Viele können sich das Luxusgut Fleisch schlicht nicht leisten. 

Israel ist der vegane Senkrechtstarter

Den weltweit steilsten Anstieg an Veganern findet man derzeit aber in Israel. Einige spannende Zahlen und Fakten dazu:

  • 2010 waren laut statistischen Daten in Israel gerade 2,5 Prozent der Menschen echte Vegetarier und zumeist auch Veganer (siehe dazu unten mehr).
  • 2016 ist die Zahl laut einer aktuellen Studie von Statista auf fast 14 Prozent explodiert. Allein 5 Prozent davon sind Veganer.
  • Jedes Restaurant in Israel führt vegane Speisen. Das Phänomen ist enorm und hat mittlerweile die breite Mittelschicht Israels erreicht. 
  • Vertreter des Trends werden in den sozialen Medien und auf Events wie Popstars gefeiert. 
  • Vor Kurzem wurde deshalb wenig überraschend Tel Aviv zur veganen Welthauptstadt gekürt. An die zehn Prozent der Einwohner ernähren sich dort ausschließlich vegan, jedes 10. Restaurant in Tel Aviv führt ausschließlich vegane Speisen. 

Erklärungen für den veganen Boom in Israel reichen von der israelischen Küche, die vor allem auf frischem Gemüse und Obst basiert bis zur Tatsache, dass selbst das landestypische Fastfood Hummus und Falafel vegan ist. Auch die Regeln der koscheren Küche fördern vegane Kost. Demnach müssen Fleisch- und Milchprodukte strikt getrennt werden. Wer in Israel also auf die Fleischbeilage verzichtet, isst automatisch kein vegetarisches, sondern gleich ein veganes Gericht.

Berlin ist die Europas Hauptstadt für Veganer

Platz zwei im weltweiten Städteranking hinter Tel Aviv geht an Berlin, die europäische Hauptstadt für Veganer mit immerhin schon knapp 50 rein veganen Lokalen. Laut einer Studie des deutschen Vegetarierbundes sind in Deutschland ca. 10 Prozent der Bevölkerung Vegetarier und ca. ein Prozent, also rund  800.000, Veganer. Ähnliche Werte rund um die 10-Prozent-Marke verzeichnen auch Österreich und die Schweiz, sowie Italien. Macht in Österreich also grob geschätzt 800.000 Vegetarier und immerhin noch 80.000 Veganer, großteils im Ballungsraum Wien. International kommen laut Statista sonst nur noch Taiwan und Brasilien der 10-Prozent-Quote von Vegetariern und Veganern nahe. 

Eines haben all diese Länder gemeinsam: Der Trend hin zu veganer Ernährung ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen und ein Ende ist nicht absehbar - auch in Österreich. Deshalb und nicht zuletzt aufgrund des geringen ökologischen Fußabdrucks bietet auch Gourmet eine feine, aber noch kleine Auswahl an veganen Speisen an, die Vielfalt an vegetarischen Gerichten ist bereits seit vielen Jahren groß. Das wünschen sich auch unsere Gäste. 
Unsere veganen Highlights sind: Die mediterrane bunte Gemüsepaella, der Mexiko-Klassiker Chili sin Carne und eine Gemüsevariation in Tempurateig mit Wasabi-Sojasauce. Neu im Repertoire sind das indisch angehauchte Karfiol-Karottencurry mit Basmatireis sowie Bio-Dinkel-Krautflecker, ein herbstlicher Gemüseeintopf mit cremiger Polenta sowie gebratene Hirselaibchen mit Blattspinat. 

In diesem Sinne, wer im Trend liegen will, isst auch einmal vegan – guten Appetit!

Infos
Wo Fleischesser "Nicht-Vegetarier" genannt werden
50 Tipps für Veggie-Urlaub
Warum in Israel die meisten Veganer der ganzen Welt leben
Länder mit dem höchsten Anteil an Vegetariern
Tel Aviv Vegan Fest
Veganismus

vegan.at 
Verbreitung des Vegetarismus

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Mag. Claudia Horacek

Über die Autorin

Essen am Arbeitsplatz – ein Thema, das für Claudia Horacek nicht nur Job, sondern Berufung ist. Nur wer sich richtig und gesund ernährt, kann im Beruf dauerhaft seine Leistung bringen. Dass dabei der Genuss nicht auf der Strecke bleiben darf, ist für die Ernährungswissenschaftlerin selbstverständlich.

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