Tomaten – eine paradiesische Frucht reist um die Welt

Die Tomate, so wie ihr sie kennt und vielleicht auch liebt, hat es nicht immer in unserer Gegend gegeben. Sie ist weit gereist und kommt ursprünglich aus Süd- und Mittelamerika. Bereits vor Jahrtausenden haben dort sogenannte Hochkulturen - das sind hoch entwickelte Völker aus lang vergangener Zeit - die Tomate für sich entdeckt und angebaut.

Das Wort Tomate stammt auch aus dieser Zeit, nämlich aus der Aztekensprache Nahuatl, in der die Frucht xītomatl heißt. Es gibt aber noch einen weiteren, ganz besonderen Namen für die Tomate: In Ost-Österreich, also in Wien, Niederösterreich, Burgenland und der östlichen Steiermark, wird die Tomate auch Paradeiser genannt. Dieser Begriff wurde wahrscheinlich von „Paradiesapfel“ abgeleitet, vielleicht, weil die Frucht so verführerisch duftet und aussieht. Wie ihr sie nennen wollt, bleibt nun ganz euch überlassen.


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Fleisch-, Eier- und Flaschentomaten? Was ist denn das?
Habt ihr diese lustigen Namen schon einmal gehört? Diese Tomaten haben nichts mit echtem Fleisch, Eiern oder Flaschen zu tun, sie haben aber ein ähnliches Aussehen und werden deshalb so genannt. Sehr lustig sind auch weitere Namen wie Grünes oder Rotes Zebra, Russische Reisetomate oder Gelbes Birnchen. Die Vielfalt ist auf jeden Fall riesig. Es gibt weltweit bis zu 10.000 verschiedene Tomatensorten in allen möglichen Farben, ja sogar in violett und schwarz!


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Eigene Tomaten groß ziehen
Wenn ihr die köstlichen Früchte selbst anbauen wollt, könnt ihr das ganz leicht aus den Samen tun. Wenn euch ein Paradeiser besonders gut schmeckt, nehmt mit Hilfe eines kleinen Löffels die mit Fruchtfleisch umhüllten Samen heraus und gebt sie in ein Glas Wasser. Stellt sie dann für zwei Tage ins Zimmer. Dadurch wird die gelartige Schicht entfernt, die den Samen umhüllt und ihn am Keimen hindert. Er würde ja sonst schon in der feuchten Tomate und vielleicht noch an der Pflanze hängend damit beginnen! So hilft sich die Natur einfach selbst.

Gießt nach den zwei Tagen die gesamte Flüssigkeit durch ein Sieb und klopft die Samen auf ein Küchenpapier. Verstreicht dann die Samen so, dass sie nicht doppelt übereinander liegen, denn jetzt sollen sie erst einmal schön trocknen. Wenn das geschehen ist, könnt ihr sie bis zum nächsten Jahr, wenn ihr sie dann einsetzen wollt, in einem Schraubglas an einem trockenen und dunklen Ort lagern.

Los geht’s! Anbau und Pflege der Tomatenpflanze
Ab Mitte März könnt ihr nun beginnen, die Samen in kleinen Töpfchen in die Erde zu stecken und mit Wasser feucht zu halten. Stellt sie im Zimmer an einen hellen, nicht zu sonnigen Ort. Schon bald werdet ihr dann die ersten Jungpflanzen entdecken.

Ab Mitte Mai ist die Pflanze schon größer und es ist warm genug, um sie hinaus ins Freie zu setzen. Gebt ihr dafür ein bisschen Zeit. Sie ist jetzt von den Innentemperaturen verwöhnt. Im Zimmer gibt es auch keinen Wind, der sie kräftig hin und her schüttelt. Deshalb wollen wir sie „abhärten“. Dafür die junge Tomatenpflanze einfach einige Tage für ein paar Stunden ins Freie stellen, am besten an einen geschützten Platz an der Hausmauer und im Schatten. Und nach den Abhärtetagen geht es dann ab ins Freie! Ihr könnt sie dafür direkt in die Erde oder in einen größeren Topf setzen.

Die Früchte genießen
Die beste Zeit, um bei uns in Österreich Tomaten zu essen, ist Juli bis September. Manchmal sogar noch bis in den Oktober hinein. In dieser Zeit haben sie die besten Bedingungen, um so richtig gut zu wachsen und zu schmecken.

Tomaten können leider nicht lange gelagert werden, weil sie zu 95 Prozent aus Wasser bestehen. Am besten esst ihr sie also so frisch wie möglich oder ihr macht sie haltbar, indem ihr sie einfriert, trocknet, einkocht oder einlegt. Dadurch entstehen weitere köstliche Produkte wie Ketchup, Pesto, Saucen und Dips oder eben getrocknete Tomaten.


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Leuchtend roter Tomatendip
Dieser Dip ist ganz schnell gezaubert und ihr könnt ihn gut kombinieren, zum Beispiel mit Kartoffeln und Pasta, er passt aber auch perfekt zu Fisch und Fleisch.

Dazu braucht ihr:

  • 4 mittelgroße Tomaten
  • 1 kleine gelbe Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 kleine Zitrone
  • etwas Olivenöl
  • Salz und Pfeffer
  • eine Prise getrocknete oder frische Chili, wenn ihr es gerne schärfer mögt
  • eine Handvoll frischer Kräuter wie Basilikum, Thymian und Oregano

Die Tomaten waschen und gut abtrocknen. Die Kerne entfernen und gleich zur Samengewinnung nutzen. Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und gemeinsam mit den Tomaten fein schneiden. Anschließend mit dem Öl, etwas Zitronensaft und den Gewürzen mischen. Kräuter hacken und darunter rühren. Ihr könnt nun auch noch einmal mit dem Stabmixer kurz hinein mixen, dann habt ihr eine schöne cremige Konsistenz.

Extratipp: In diesen Dip könnt ihr auch noch etwas Frischkäse einrühren, das schmeckt herrlich und die Farbe wird noch einmal besonders schön!

Habt ihr schon einmal eine Paradeiser-Verkostung gemacht? Wie das geht, zeigen wir euch in diesem Video.

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DI Wolfgang Palme

Über den Autor

Wolfgang Palme ist Abteilungsleiter für Gemüsebau an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt Schönbrunn und als solcher begeisterter und innovativer Gemüse-Gärtner. Seit 2012 betreibt er zusätzlich mit einem innovativen Team die City Farm, wo Kinder und Erwachsene in spannenden Workshops ganzjährig gärtnern und lernen können, wie und wo unser Gemüse wächst.

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