Wie man eigenes Saatgut gewinnt

Wenn es draußen überall blüht ist die beste Zeit, um sich den Vorrat an Samen für das nächste Gartenjahr anzulegen. Das ist eigentlich keine Hexerei. Damit die Samenernte auch wirklich gelingt, gibt es dennoch einiges zu beachten.

Trockene Samen – gerüttelt und geschüttelt

Sind zum Beispiel Bohnen, Rucola, Salat, Kohl oder Radieschen.

Der Samen liegt frei oder ist in trockenen Hülsen oder Schoten verborgen, ist aber nicht von feuchtem Fruchtfleisch umschlossen.

Erster Schritt: Pflanze auswählen
Wählt schon im Frühsommer ein paar besonders schöne und kräftige Pflanzen für die Saatgutgewinnung aus.Lasst sie blühen und Samen ansetzen.

Zweiter Schritt: Trocknen
Die meisten Samen brauchen Wärme und Trockenheit, um gut ausreifen zu können, daher ist der Spätsommer die perfekte Zeit fürs Ernten. Beobachtet die Pflanze regelmäßig, bis die Samen reif sind. Wenn z.B. die Schoten trocken sind, sind auch die Samen darin reif. Schneidet sie dann ab und hängt sie kopfüber zum weiteren Trocknen in einen warmen, luftigen Raum. Legt zur Sicherheit ein Tuch darunter, damit nichts verlorengeht. Ihr könnt die Pflanze auch gleich in einen Stoffsack hängen. Nur gut ausgereifte Samen keimen im nächsten Jahr verlässlich.

Dritter Schritt: Dreschen
Um reines Saatgut zu erhalten, werden die Samenstände ausgedroschen. Durch diesen Vorgang werden Schoten und Samenstände zerbrochen und die Samen herausgelöst. Kleine Mengen können händisch ausgelöst werden. Solltet ihr mehr haben, empfehlen wir eine der folgenden Varianten:

  • Austreten mit den Füßen: Füllt die getrockneten Schoten in einen Sack (z.B. alten Polsterbezug) oder Kübel. Tretet nun mit sauberen Schuhen behutsam auf den Sack, bis sich die Samen lösen.
  • Dreschflegel: Dazu werden die Schoten ebenfalls in einen Sack gepackt und dieser auf eine nicht zu harte Unterlage gelegt. Mit einem Dreschflegel (z.B. altem Besenstiel) wird nun vorsichtig draufgeschlagen, und der Sack immer wieder neu aufgeschüttelt und gedreht.

Vierter Schritt: Grobreinigung
Nachdem die Samenkörner aus den Schoten befreit sind, geht es ans Reinigen. Jetzt werden alle Pflanzenreste und Erdkrümel (z.B. mit einem Sieb) aussortiert. Achtung: die Maschenweite des Siebes an die Samengröße anpassen – ihr werdet vermutlich verschiedene Siebe brauchen.

Samen_Feinreinigung

Fünfter Schritt: Feinreinigung durch Wind
Nachdem die groben Verunreinigungen entfernt sind, bleiben noch feiner Staub oder vereinzelte Pflanzenreste übrig. Füllt das grob gereinigte Saatgut in eine Schale, blast vorsichtig über oder in das Saatgut, und rüttelt dabei die Schale leicht hin und her. Die leichteren Partikel fliegen davon und das schwerere Saatgut bleibt liegen.

Sechster Schritt: Kontrolle
Beschädigte und kranke Samen werden aussortiert, und die restlichen guten Samenkörnen sind nun bereit, bis zum kommenden Frühjahr eingelagert zu werden.

Feuchte Samen – Trennung erwünscht

Sind zum Beispiel Tomate, Zucchini, Gurke oder Kürbis.
Der Samen liegt im Fruchtfleisch und muss bei der Samengewinnung komplett davon getrennt werden.

Hier ein Beispiel dazu – die Tomate
Tomaten brauchen eine besondere Behandlung, damit die keimhemmende, gallertartige Schicht rund um den einzelnen Samen abgebaut wird. Da sie selbstbefruchtend sind, ergeben die Samen wieder dieselbe Sorte. (Ausnahme: F1 Sorten)

  • Eine möglichst reife Tomate aufschneiden und mit einem Löffel das Gelee mit den Samen herauslösen.
  • Samen mitsamt dem Gelee in ein Glas füllen und etwas Wasser dazugeben. Zum Schutz vor Fruchtfliegen das Glas mit Küchenrolle und einem Gummiband verschließen. Auf keinen Fall luftdicht verschließen!
  • Das Glas ca. 2 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen und regelmäßig schütteln.
  • Durch das Vergären löst sich die glitschige, schleimige Schicht rund um den Samen allmählich auf.
  • Mit dem Finger prüfen, ob sich die gallertartige Hülle schon gelöst hat: Der Samen fühlt sich dann rau an.
  • Anschließend die Samen in ein ganz feines Sieb geben und gründlich abwaschen. Die gereinigten Samen dann in eine Kaffeefiltertüte geben und diese zum Trocknen aufhängen.
  • Erst danach in Sackerl füllen.

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Lagerung des Saatguts

Hier ein paar Tipps zur optimalen Lagerung des Saatguts:

  • Behältnis: Zur Aufbewahrung der Samen eignen sich Briefumschläge, Samentüten aus Papier, Gläser etc... Ist der Behälter verschließbar, sind die Samen vor Motten, Mäusen und Co. sicher. Ihr könnt auch mehrere Papiersäckchen in ein großes Schraubglas geben, um Platz zu sparen.
  • Beschriften: Auf der Verpackung gleich Namen des Gemüses und Erntejahr notieren.
  • Trocken aufbewahren: Saatgut muss absolut trocken bleiben, da es ansonsten schimmeln, faulen oder ankeimen kann und unbrauchbar wird.
  • Kühl und dunkel lagern: Optimal sind 0-10 °C, ohne große Temperaturschwankungen. Die Samenbehältnisse möglichst im Dunkeln aufbewahren (dunkler Raum oder Schachtel).

 

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DI Wolfgang Palme

Über den Autor

Wolfgang Palme ist Abteilungsleiter für Gemüsebau an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt Schönbrunn und als solcher begeisterter und innovativer Gemüse-Gärtner. Seit 2012 betreibt er zusätzlich mit einem innovativen Team die City Farm, wo Kinder und Erwachsene in spannenden Workshops ganzjährig gärtnern und lernen können, wie und wo unser Gemüse wächst.

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